Die „Kaste“ der Parlamentarier?

Wenn ich die Szenen revuepassieren lasse, die sich in der letzten Januarwoche 2025 im Deutschen Bundestag abgespielt haben, dann verstärkt sich in mir der Eindruck, dass sich unsere Parlamentarier einer erhabenen „Kaste“ zugehörig fühlen. Derart abgehoben und fernab vom bürgerlichen Alltag erscheinen mir diese Debatten, dass ich daran zweifle, ob auch nur ein Mitglied des Bundestages einen Schimmer davon hat, was die normal sterblichen Bürgerinnen und Bürger dieses Landes umtreibt.
Was soll dieses Gerede von einer „Brandmauer“, in das Personen des öffentlichen Lebens, die sich für gebildet und moralisch überlegen halten, so bereitwillig einstimmen? Was sollen diese immer wiederkehrenden Vergleiche mit einer der dunkelsten Episoden unserer deutschen Geschichte?
Ich wage zu behaupten, dass es in Deutschland keine ernst zu nehmende Interessengruppe mehr gibt, die ein mit dem Nationalsozialismus vergleichbares Regime errichten will. Eine Gruppe, die Konzentrationslager zur Massenvernichtung von Angehörigen „minderwertiger Rassen“ errichten will, und die mit dem ganzen Kontinent Krieg führen will.
Die Angst vor der Machtübernahme derartiger Gruppen zu schüren, das ist nichts, als perfide Wahltaktik, und es ist zynisch. Verbal zugeschüttet werden dabei die berechtigten Sorgen der Bürgerinnen und Bürgern um ihre wirtschaftliche Basis und vor einem nicht zu bewältigenden Zustrom von Menschen, die andere Wertvorstellungen haben, die unsere offene, auf Vielfalt ausgerichtete Gesellschaft nicht akzeptieren, die ihre religiösen Extreme bei uns etablieren wollen und die dabei vor Gewalttaten nicht zurückschrecken. Diese Befürchtungen, die reale Entwicklungen betreffen, werden von einem erheblichen Teil unserer Parlamentarier nicht ernst genommen. Und wir wissen nicht, ob es Ignoranz ist, ob es undurchsichtige Interessen sind, oder ob es schlicht Dummheit ist, die diesen Teil der Parlamentarier dazu treibt.
Es wird Zeit, dass sich die „Kaste“ der Parlamentarier auflöst, dass ihre selbsternannten Mitglieder die Nähe zum Volk wieder finden und sich um die tatsächlichen Probleme dieses Landes kümmern, anstatt in ihrem elitären Kosmos weltfremde Debatten zu führen!