Aktuelles

Angst ist ein schlechter Berater [27. Dezember 2016]

Diese Schlagzeilen waren nach dem Anschlag von Berlin zu befürchten: "Deutsche wollen mehr Kameras an öffentlichen Plätzen" (Spiegel Online, 25.12.2016).

Ganz davon abgesehen, dass es mir zuwider ist, selbst in sog. "seriösen Medien" immer wieder von "DEN Deutschen", "DEN Europäern", "DEN Homosexuellen" oder "DEN Flüchtlingen" zu lesen, halte ich es für fragwürdig, derartige Umfragen unter dem "frischen" Eindruck von Terrorakten oder anderen katastrophalen Ereignissen zu machen. Menschen mit Angst neigen dazu, jede Maßnahme zu befürworten, die geeignet erscheint, ihnen ihre Angst zu nehmen. Das macht es Populisten so leicht, ihre billigen Schein-Lösungen zu verkaufen. Mehr Kameras an öffentlichen Plätzen hätten den Anschlag von Berlin sehr wahrscheinlich nicht verhindert. Ebenso wenig wie die Maßnahmen, die in der Folge von 9/11 durch zahlreiche Gesetzesänderungen beschlossen wurden, seinerzeit die Anschläge auf das World Trade Center in New York sicher verhindert hätten. Trotzdem lassen wir es immer wieder zu, uns durch derartige "Placebo-Gesetze" beruhigen zu lassen.

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Mehr wissen, als uns lieb ist [20. Dezember 2016]

Nun also Berlin. Auf einem Weihnachtsmarkt werden Menschen verletzt und getötet. Ein Unfall kann mittlerweile ausgeschlossen werden. Die Reaktionen in den Medien lassen nicht auf sich warten. Sie spiegeln Emotionen wider. Wut und Trauer.

So plötzlich uns diese Nachricht auch trifft, sie kommt nicht unerwartet. Insofern erscheint mir die vielfältig zum Ausdruck gebrachte Fassungslosigkeit nicht zwingend. Jeder von uns, der in den letzten Wochen einen der großen Weihnachtsmärkte besucht hat, sollte sich mehr oder weniger bewusst gewesen sein, dass er Zeuge oder Opfer eines Anschlags werden könnte. Dieses Wissen ist uns nicht lieb. Verdrängen lässt es sich trotzdem nicht.

Wenn jetzt Stimmen laut werden, die nach Vergeltung schreien, ein hartes Vorgehen gegen die Täter fordern und eine weitere Verschärfung von Sicherheitsmaßnahmen herbei reden, dann sollten wir uns bewusst machen: ein einzelner Terrorist ist nicht die Ursache von Terror!

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Innehalten [4. Dezember 2016]

Lassen Sie sich hin und wieder treiben?

Und wenn Sie sich treiben lassen, ist es dann eher ein Angetrieben-werden oder ein Dahin-treiben? Fühlen Sie sich als "Herr" Ihres Treibens oder eher als "Knecht"?

Wenn ich innehalte, um mein eigenes und das Treiben der anderen zu betrachten, dann kommt mir unwillkürlich "Der Zauberlehrling" von Johann Wolfgang von Goethe in den Sinn:

"Hat der alte Hexenmeister / sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister / auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke / merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke / tu ich Wunder auch."

Wir sind in der Regel ziemlich überzeugt von unserer "Geistesstärke" und auch ziemlich stolz auf unsere "Wunder".  Denken wir doch nur an die wunderbaren Möglichkeiten  der Digitalisierung! Hätten wir uns vor nicht einmal zwanzig Jahren vorstellen können, mit welcher Geschwindigkeit man Daten von A nach B senden kann?

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Nur ein Traum? [8. Juni 2016]

Am 28. August 1963 hält Dr. Martin Luther King Jr. am Lincoln Memorial in Washington vor rund 250.000 Menschen seine berühmte Rede "I have a dream".

„I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character.“

Das ist einer von den vielen bewegenden Sätzen aus der Ansprache von Martin Luther King. Er hat den Traum, dass seine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe beurteilen wird, sondern nach dem Wesen ihres Charakters.

Was für ein Traum, in einem Land zu leben, in dem alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind. In dem Männer und Frauen gleichberechtigt sind. In dem niemand wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden darf, und auch niemand wegen seiner Behinderung oder seiner sexuellen Orientierung Nachteile erdulden muss.

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Haltung UND Gesicht zeigen [6. März 2016]

In den "unendlichen Weiten" des World Wide Web ist es sehr leicht, seine Meinung zu äußern, Häme zu verbreiten, Menschen verbal anzugreifen, Hass zu schüren und Gewalt zu säen. Leicht ist es, weil wir nicht gezwungen sind, unsere Identität preis zu geben. Wir können uns hinter Fantasienamen verstecken und auf diese Weise unser Missfallen, unseren Frust und unsere Wut in die digitale Welt schleudern ohne eine Konfrontation in der realen Welt zu riskieren. Von dieser Möglichkeit der anonymen Meinungsäußerung und Stimmungsmache wird heute vielfach Gebrauch gemacht. So ärgerlich es ist, dass sich Miesmacher, Mobber und Aggressoren hinter digitalen Masken verstecken können, so bedenklich finde ich es, dass es offenbar auch immer mehr Menschen schwer fällt Haltung UND Gesicht zu zeigen, die nicht darauf aus sind, anderen Menschen zu schaden, sondern sich einfach nur Sorgen machen - um ihre eigene Zukunft, die Zukunft ihrer Kinder und die Zukunft unserer Gesellschaft. Selbst in unserem Land, in dem die freie Meinungsäußerung ein Grundrecht ist, hört man in letzter Zeit häufiger den Satz "das darf man ja nicht laut sagen". Wenn das so ist oder auch nur von vielen so empfunden wird, dann läuft bei uns gerade etwas richtig schief. Denn wenn eine Vielzahl von Menschen in einem der freiheitlichsten Länder dieser Erde tatsächlich das Gefühl haben sollte, die eigene verfassungsgemäße Meinung nicht offen und ehrlich äußern zu können, dann sollte uns das allen zu denken geben.

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