Macht. Missbrauch.

Machtmissbrauch halte ich für das gravierendste Übel, dem unsere Gesellschaft begegnen muss.

Kraft zu haben, das ist etwas Wundervolles. Egal, ob es Körperkraft ist, Willenskraft oder die Kraft des Glaubens. Wer die mit seiner Kraft einhergehende Machtoption allerdings dazu missbraucht, anderen ihre Freiheit zu nehmen, der ist ein Tyrann.

Tyrannei ist verachtenswert, denn Machtmissbrauch bedeutet immer Zerstörung. Die Zerstörung von Körpern, die Zerstörung von Seelen, den Verlust des Glaubens - an etwas Göttliches, an das Sinnhafte, an sich selbst.

 

Menschen, die andere Menschen dazu nötigen, Dinge zu tun, die sie nicht tun wollen, missbrauchen ihre Macht.

Menschen, die anderen Menschen Gewalt antun, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, missbrauchen ihre Macht.

Menschen, die ihre gesellschaftliche Stellung dazu nutzen, sich persönlich zu bereichern, missbrauchen ihre Macht.

Menschen, die qua ihres Amtes Entscheidungen gegen Mehrheiten treffen, missbrauchen ihre Macht.

Entscheidungsträger, die ihrer Ideologie Vorrang vor dem Notwendigen geben, missbrauchen ihre Macht.

Sehende, die ihre Augen vor Unheil verschließen, verleugnen ihre Macht.

 

Einzelne haben lediglich die Macht, etwas zu zerstören. Erst die Macht der Gemeinschaft kann etwas Neues entstehen lassen. Jedes geschriebene Wort entfaltet seine Kraft erst in denen, die es lesen. Jeder klingende Ton entfaltet seinen Zauber erst in denen, die ihn hören. Jede gute Absicht entfaltet ihre Wirkung erst dann, wenn sie von vielen in Taten umgesetzt wird.

Die viel zitierte Brechstange bewirkt einzig und allein, dass etwas bricht. Verbindung schafft sie nicht. Leider erleben wir seit vielen Jahren "Brechstangen-Politik".

Ich habe den Eindruck, dass viele Entscheidungsträger den "Souverän" im Grunde ihres Herzens nur als Pöbel im negativ Sinn betrachten. Sie misstrauen der Macht der Gemeinschaft, weil sie sich selbst für hellsichtiger und fähiger halten als diesen Pöbel. Aber selbst der, der seine Machtoption nicht um der persönlichen Vorteilsnahme willen ausnutzt, sondern lediglich aus Überheblichkeit und Selbstüberschätzung, selbst der macht sich des Machtmissbrauchs schuldig. Er ist, streng genommen, ein Tyrann.

 

Und Tyrannei ist verachtenswert. Tyrannei bedeutet Zerstörung. Wie wollen wir ihr begegnen?