Einst hat Christian Anders den Zug besungen, der mit ihm „allein als Passagier“ nach Nirgendwo fährt. Dieser Zug war Ausdruck für das Einsamkeitsgefühl eines einzelnen, der seine Liebe verloren hat.
Heute, mehr als fünfzig Jahre später, ist der Zug nach Nirgendwo „rappelvoll“, obwohl die meisten es nicht einmal bemerken, weil sie auf ihre Handys starren oder versuchen, sich tief in sich selbst zurückzuziehen. Sie sind in diesen Zug eingestiegen, weil es ihnen besser erschien, als auf dem Bahnsteig zu verharren, um auf verspätete Gelegenheiten zu warten. Sie sind in den Zug eingestiegen, weil ihnen das technische Transportmittel angebrachter erschien, als zu Fuß zu gehen. Sie sind in den Zug eingestiegen, obwohl sie weder den Zielort kennen noch wissen, ob sich der Zug jemals wieder anhalten lässt.
Hauptsache, der Zug rollt: „und niemand stellt von grün auf rot das Licht“! Macht es uns „wirklich gar nichts aus, dass unser Glück mit einem Mal zerbricht?“
Oder begreifen wir unser Glück gar nicht mehr darin, Mensch unter Menschen sein zu dürfen? In Frieden und Freiheit leben zu können? Luft zu atmen, die keine Atemnot verursacht? Wasser zu trinken, dass kein Gift in unsere Körper leitet? Natur natürlich sein zu lassen? Vor der eigenen Haustür ungestört kehren zu können, und die Nachbarn einfach Nachbarn sein zu lassen?
Bedeutet Glück für uns tatsächlich, alles Menschenmögliche zu machen? Räumliche Distanz durch technische Kommunikations- und Transportmittel zu minimieren? Wälder durch urbane Räume zu ersetzen? Die individuelle Lebenserwartung ins Unermessliche zu steigern? Körperliche Arbeit durch Roboter zu ersetzen? Geistige Kreativität durch künstliche Intelligenz zu beseitigen? Alte und Kranke durch Pflegemaschinen betreuen zu lassen? Kriege wie Computerspiele zu führen? Andere Meinungen als unzulässige Gesinnung zu bekämpfen? Kulturelle Wurzeln zu veröden? Kritikfähigkeit zu verbieten? Kollektiver Hybris zu huldigen?
Was bedeutet Glück für uns, und wohin soll der Zug uns bringen? Diese Fragen sollten wir uns am Bahnsteig stellen, bevor wir ein Ticket ziehen und auf den erst besten Zug aufspringen. Wenn wir es nicht tun, dann fährt auch unser Zug nach Nirgendwo.