Wenn Menschen zu uns kommen, die Teil einer offenen, sozial-liberalen Gesellschaft sein möchten, die aktiv dabei helfen wollen, dass unser Gemeinwesen wirtschaftlich erfolgreich, friedlich, gleichberechtigt und freiheitlich bleibt, denen Eigenverantwortung ebenso wichtig ist wie gesellschaftliche Verantwortung, dann sollten wir diese Menschen als Mitbürger willkommen heißen, und ihre Integration in unsere Gesellschaft unterstützen.
Wenn allerdings Menschen zu uns kommen, die unsere Werte und Normen ablehnen, die Gleichberechtigung für eine entartete Entwicklung halten, unsere Sozialsysteme mit krimineller Energie ausnutzen und Schattengesellschaften bilden, um letztendlich in unserem Land eine andere Gesellschaftsform herbeizuführen, dann müssen wir diesen Menschen konsequent entgegentreten und ihnen Einhalt gebieten.
Diese offene und gleichzeitig konsequente Haltung wäre kein Widerspruch. Sie wäre weder menschenverachtend noch "nationalsozialistisch" verdächtig. Sie wäre umsichtig, weitsichtig und unerlässlich für den Erhalt unserer Freiheit, unserer Offenheit und die Wahrung des sozialen Friedens in unserem Land.
Leider sind Offenheit und Konsequenz in der aktuellen politischen Flora und Fauna vom Aussterben bedroht. Den politischen Akteuren auf den Haupt- und Nebenschauplätzen gilt ihre persönliche politische Agenda weit mehr als das Gemeinwohl. Sie bauschen auf, sie spitzen zu, sie grenzen aus, sie diffamieren, sie verschweigen, sie verbiegen die Wahrheit. Alles nur, um sich und ihrer Partei die größtmögliche Macht-Option zu verschaffen. Macht, die sie, wenn sie sie erhalten, schamlos für ihre ureigensten Interessen missbrauchen.
Den aktuellen Deutschen Bundestag als „Sauhaufen“ zu bezeichnen, das wäre möglicherweise eine Beleidigung für alle Schweine dieser Welt. Aus den Reihen der Parlamentarier sind Äußerungen wie „Nazi-Schlampe“ und „Polizisten sind Bastards“ zu vernehmen. In einer politischen Jugendorganisation wird sogar laut über Gewalt gegen politische Gegner nachgedacht. Wer traut diesen Möchtegern-Politikern tatsächlich Offenheit in der Sache und Konsequenz im Handeln zu?
Die deutschen Bürgerinnen und Bürger erleben im politischen Alltag derzeit ein fatales Gemisch aus Unfähigkeit und Hybris. Aber wir Bürgerinnen und Bürger sind nicht schuldlos an dieser Entwicklung. Zu sehr haben wir uns in den letzten Jahrzehnten allein um unser persönliches Wohlbefinden gesorgt. Zu sehr haben wir das Regieren als Dienstleistung und Politiker als notwendiges Übel betrachtet. Zu wenig haben wir uns selbst für die Gestaltung unseres Gemeinwohls und den Erhalt des sozialen Friedens in unserem Land mitverantwortlich gezeigt.
Aber diese Mitverantwortung ist der Schlüssel dazu, aus einem Land, in dem wir wohnen, eine Heimat zu machen. Wir dürfen hier nicht einfach nur leben und darauf hoffen, dass der gesellschaftliche Rahmen von anderen so gestaltet wird, dass wir uns ausschließlich auf unsere persönlichen Lebensziele konzentrieren können. Wir müssen unsere Heimat selbst gestalten. Vielleicht ist Heimat für uns nicht das Land, in dem wir leben, vielleicht sind es eher die Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen: in Liebe, in Achtung, in Respekt, in Freiheit, in Offenheit, in Selbstbestimmung und in gegenseitiger Verantwortung. Ich selbst fühle mich dort heimisch, wo ich mich verstanden fühle. Dazu gehören Sprache, Geschichte, Kultur, Werte und Normen. Aber nichts davon in Stein gemeißelt. Alles offen für neue, wertvolle Ergänzungen: Bereicherndes – nicht Zersetzendes!
Wer meint, Menschen ihr Heimatbewusstsein nehmen zu müssen, um Grenzen verschieben und eine neue, globale Weltordnung schaffen zu können, der verkennt, dass Menschen Heimatverbundenheit benötigen, um ein Verantwortungsbewusstsein entwickeln zu können. Und nur über ein Verantwortungsbewusstsein, das über die Eigenverantwortung hinaus geht, ist Mitverantwortung zu erreichen.
Mitverantwortung, die wir sowohl von den Politikern, den Mitbürgerinnen und Mitbürgern, den Neu-Bürgerinnen und Neu-Bürgern als auch von uns selbst einfordern sollten: jetzt und jeden Tag!