Werteverlust

Wir leben in einer Zeit, in der vielen Menschen ihre Werte abhanden kommen - sowohl die materiellen als auch die immateriellen.

Der Euro ist, zumindest gefühlt, nicht mehr das gleiche wert wie die D-Mark. Viele Dinge des alltäglichen Bedarfs sind für viele kaum noch bezahlbar: Mieten und Lebensmittel beispielsweise.

Es werden Diskussionen geführt, ob wir uns die Renten künftig noch leisten können. Zusätzlich wird die Frage gestellt, ob Alte nicht ihre Eigenheime an junge Familien abtreten sollten. Das Eigenheim, das für viele eine Alterssicherung darstellt: Schutz vor immer weiter steigenden Mieten und Rückzugsort vor einem immer lauter und aggressiver erscheinenden Umfeld!

Den Lebensunterhalt zu bestreiten und gleichzeitig eine wirksame Alterssicherung aufzubauen wird immer schwerer. Es ist von mehr Pleiten, mehr Arbeitslosen und mehr Inflation die Rede. Zukunftsängste machen sich breit in unserer Gesellschaft.

In einer solchen Situation wäre es hilfreich, wenn zumindest die ideellen Werte nicht ins Wanken gerieten. Aber auch die immateriellen Werte werden in Frage gestellt!

Kulturelle Eigenheiten, die über Generationen gewachsen sind und geschätzt werden, sollen zugunsten eines undifferenzierten und extrem widersprüchlichen Weltbildes aufgegeben werden. Die biologischen Grenzen zwischen Mann und Frau werden ohne Not eingerissen, Begriffe wie Indianer oder Mohr werden als Beleidigung aufgefasst, Menschen europäischen Ursprungs mit Rastazöpfen wird dagegen kulturelle Aneignung unterstellt. Die berechtigte Sorge vor einem unbeherrschbaren Zustrom von Menschen, denen es nicht gelingt oder nicht gelingen will, sich in unsere Gesellschaft zu integrieren, wird als nationalsozialistisches Gedankengut diffamiert. Die Sehnsucht nach Klarheit und Ordnung wird als "spießig" belächelt. Alles soll möglich sein, alles erlaubt, außer den Meinungsmachern zu widersprechen, die ihr "wokes" Selbstverständnis als Monstranz vor sich her tragen.

Im letzten Jahr wurde stolz der 75 Geburtstag unseres Grundgesetzes gefeiert. Unsere Grundrechte haben es meines Erachtens verdient, gefeiert zu werden. Der Umgang mit ihnen in den letzten Jahrzehnte war allerdings kaum des Rühmens wert. Was wurde seitens der Politik und seitens der Bildungsträger unternommen, damit in jeder Bürgerin und jedem Bürger die Grundwerte unserer Verfassung lebendig und selbstverständlich sind? Wann gab es außerhalb elitärer Zirkel Besprechungen und Diskussionen zu unseren Grundrechten? Wie wird in unserem Alltag dafür gesorgt, dass die Würde des Menschen unantastbar bleibt? Täglich werden unsere Grundrechte mit Füßen getreten: es ist nicht jeder und jedem das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit vergönnt. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wird mehr und mehr verletzt. Die Menschen in unserem Land scheinen nicht einmal vor dem Gesetz gleich zu sein. Zu viele werden aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Abstammung, ihrer Rasse, Sprache, Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer politischen Anschauungen benachteiligt oder sogar tätlich angegriffen. Das Recht, die eigene Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten, scheint immer offensichtlicher beschnitten zu werden. Selbst das Brief- Post- und Fernmeldegeheimnis scheint aus der Mode gekommen zu sein. Zumindest lässt der gedankenlose Gebrauch von Mobiltelefonen und neuen Medien diesen Schluss zu. Spätestens in der Corona-Zeit haben Menschen begriffen, dass nicht einmal ihre Wohnung zwingend unverletzlich ist.

Unser Zusammenleben wird durch eine unüberschaubare Anzahl zum Teil widersprüchlicher Gesetze und Verordnungen geregelt, obwohl die Grundrechte in unserem Grundgesetz alle Aspekte enthalten, die für den friedlichen und respektvollen Umgang miteinander wesentlich sind. Aber selbst das, was in diesen 19 Artikeln steht, ist den meisten nicht geläufig oder egal oder lästig oder?

In unserer Gesellschaft ist Unruhe zu spüren und der Unwille, den Werteverlust, der vielen von uns abverlangt wird, hinzunehmen. Bei denen, die Regierungsverantwortung tragen kann ich nicht erkennen, dass sie die Ursachen für diese Unruhe vollständig und richtig deuten. Angesichts der unermesslichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen auf der Erde, können wir materielle Verluste nicht ausschließen. Wir könnten allerdings den Verlust materieller Werte durch die Mehrung ideeller Werte kompensieren. Dazu wäre es allerdings nötig, unsere eigenen Grundrechte ernst zu nehmen, die Sorgen in diesem Land ernst zu nehmen, aus den Bürgerinnen und Bürgern gesellschaftspolitische Beteiligte zu machen und die Werte, die uns als Gesellschaft tragen sollen, zusammen in breiter Einheit zu bestimmen und zu leben. Gemeinsame Werte zu schaffen, das ist der Schlüssel für ein Leben in Frieden und Freiheit.