Die Art und Weise, mit der die Regierenden seit Jahren über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg entscheiden, ist erschreckend. Der Mehrheitswille interessiert weder die Regierenden in Berlin noch in Brüssel. Eine selbsternannte Elite macht Politik für ihr Ego, zu ihrem persönlichen Vorteil und für Ausgewählte, aber gegen die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland und in Europa. Die sog. "parlamentarische Demokratie" hat versagt. Der Souverän hat keinen Einfluss auf staatliche Entscheidungen, er hat nicht einmal Einfluss darauf, wofür sein eingebrachtes Steuergeld verwendet wird. Der Souverän muss mit ansehen, wie Egomanen und Dilettanten sein Geld verschwenden. Die Parlamentarier, die angeblichen Volksvertreter und eigentlich erste sowie unmittelbarste Kontrollinstanz der Regierung, üben ihre Funktion nicht aus, weil sie lieber einem Fraktionszwang folgen als ihrem Gewissen. Der "Koalitionsfrieden" ist ihnen wichtiger als der Frieden in der Bevölkerung.
Die Personen, die ihre "Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen" sollen, kommen ihrer Pflicht nicht gewissenhaft nach. Mittlerweile hat man das Gefühl, sie treten diese Pflicht regelrecht mit Füßen.
Sobald ein Politiker ein Regierungsamt übernimmt, ist er nicht mehr seiner Partei verpflichtet, sondern dem "deutschen Volke". Aber der sog. Souverän wird fortgesetzt ignoriert und soll immer mehr für eine Politik bezahlen, die er nicht "bestellt" hat. Aber in einem Obrigkeitsstaat bestellt nicht derjenige die Musik, der sie bezahlt. Die Musik in einem Obrigkeitsstaat wird von der Obrigkeit ausgesucht und gespielt. Nach Spielregeln, die der Souverän weder versteht noch ändern kann.
Zwischen Regierung und Volk besteht in unserem Land ein ungelöster Konflikt, der immer weiter eskaliert. Wir sind bereits in einer Phase angekommen, in der eine Lösung, die für beide Seiten gesichtswahrend sein könnte, nicht mehr möglich erscheint. Meines Erachtens befindet sich dieser Konflikt bereits auf der sechsten Stufe von neun Stufen, die Friedrich Glasl als Modell der Konflikteskalation beschrieben hat. Wenn jetzt nicht deeskaliert wird, dann wandern die Bürgerinnen und Bürger zusammen mit ihrer Regierung in den Abgrund. Leider sehe ich auf Seiten der Regierung niemanden, der diese Konfliktsituation ernst zu nehmen scheint. Ist es Hybris? Ist es blanker Dilettantismus? Ist es Fahrlässigkeit oder Absicht?
Deutschland ist für viele Menschen meiner Generation nicht mehr wiederzuerkennen. Und viele Menschen haben vor der Zukunft Angst. Muss unser Land erst den Abgrund kennenlernen, um daraus neu entstehen zu können?