Ich behaupte, dass jede Religion den Glauben reglementieren will. Durch Regeln wird unterstellt, dass es den richtigen und den falschen Glauben geben kann. Durch die Definition von richtig und falsch wird die Möglichkeit geschaffen, Menschen zu lenken.
Ich behaupte, dass Religionsführer Menschen lenken wollen. Wer Menschen lenkt, übt Macht auf sie aus. Die Versuchung, Macht zu missbrauchen, ist groß. Selbst dann, wenn Menschen meinen, mit der ihnen gegebenen Macht etwas "Gutes" bewirken zu können, befreit sie der gute Wille nicht von ihrer menschlichen Fehlbarkeit. Die eigene Fehlbarkeit zu ignorieren oder zu leugnen, führt zu einer Selbstüberschätzung oder sogar Selbstüberhöhung. Für die, die gelenkt werden, ist das fatal. Katastrophal wird es für sie, wenn Glaubensführer und Machtmenschen nicht einmal mehr in gutem Willen handeln.
Aus diesem Grund behaupte ich, dass Religion in Politik und Staatsführung nichts zu suchen hat - weder die christliche noch eine andere.
Ich behaupte darüber hinaus, dass es gut ist, wenn Menschen sich ihren persönlichen Glauben erhalten. Sie sollten allerdings dem Versuch anderer, ihren persönlichen Glauben zu reglementieren, widerstehen.
Die Geschichte belegt, dass die "Verteidigung" eines vermeintlich "richtigen Glaubens" nicht Liebe, sondern ausschließlich Hass und Zerstörung in unsere Welt getragen hat. "Glaubenskrieger" sind ein verheerender Widerspruch in sich selbst. Glauben heißt für mich, nicht zu wissen, und dennoch Gewissheit zu spüren. Diese innere Gewissheit ist immer persönlich, sie kann nicht durch Regeln erzeugt und nicht durch Gebote erzwungen werden.
Ich behaupte, dass die wahrhaft Glaubenden, keiner Religion bedürfen. Liebe, Respekt, der Wille zu Frieden und die Anerkennung der Würde anderer brauchen keine Religion - im Gegenteil.